ARRO13E1.GIF (1054 Byte) Vorwort
ARRO13E1.GIF (1054 Byte) Anfang
ARRO13E1.GIF (1054 Byte) Die Reise beginnt
ARRO13E1.GIF (1054 Byte) Moskau
ARRO13E1.GIF (1054 Byte) Die Bahnfahrt
ARRO13E1.GIF (1054 Byte) Unter Schmugglern
ARRO13E1.GIF (1054 Byte) Nächtliche Störungen
ARRO13E1.GIF (1054 Byte) In der Mongolei
ARRO13E1.GIF (1054 Byte) UB - erste Eindrücke
ARRO13E1.GIF (1054 Byte) Naadam
ARRO13E1.GIF (1054 Byte) Ringen
ARRO13E1.GIF (1054 Byte) Bogd Mountain
ARRO13E1.GIF (1054 Byte) Mit dem Lada in die Steppe
ARRO13E1.GIF (1054 Byte) Nomaden
ARRO13E1.GIF (1054 Byte) Murmeltierjagd
ARRO13E1.GIF (1054 Byte) Beeren und Hammel
ARRO13E1.GIF (1054 Byte) Zurück nach UB
ARRO13E1.GIF (1054 Byte) Ausruhen & Computer
ARRO13E1.GIF (1054 Byte) Dinosaurier
ARRO13E1.GIF (1054 Byte) Letzte Tage
ARRO13E1.GIF (1054 Byte) Richtung Heimat
ARRO13E1.GIF (1054 Byte) Gefährliche Halte
ARRO13E1.GIF (1054 Byte) Moskau, die Zweite
ARRO13E1.GIF (1054 Byte) Endgültig Zurück

Vorwort

Wie kommen zwei "zivilisierte" Europäer auf die Idee, eine Reise um die halbe Welt bis in die Mongolei zu unternehmen?

1996 in Schweden auf dem internationalen Rover Moot (Pfadfindertreffen) lernte Martin Macke in seiner Patrouille den Mongolen Sansar kennen. Der Kontakt vertiefte sich auch in der Zeit nach dem Moot und es erfolgten gegenseitige Einladungen.

Anfangs wollten noch acht Personen mit und diese Reise unternehmen. Mit der Zeit allerdings stellte sich dann heraus, welche Zusagen ernst und welche eher im Spaß gemeint waren. Nach einiger Zeit waren wir dann nur noch zu zweit. Philipp Wagner und Martin Macke konnten also die Reise unternehmen.

Es war auch eine richtig imposante Reise. Die Abenteuer führten uns rund 9000 km von Ditzingen in ein Land mit zwei Millionen Einwohnern, die sich auf einer Fläche, die 4 ½ mal so groß ist wie die Bundesrepublik, verteilen.

Zu unserem Vorteil hatten wir die Chance, mit Sansar in einer typisch mongolischen Familie aufgenommen zu werden, was normale Pauschalreisen nie bieten könnten. Aber diese wenden sich auch an ein anderes Publikum.

Wir glauben, diese Art des Reisens weiterempfehlen zu können. Die Völkerverständigung wird hier in einer Form gefördert, wie sie große Worte und Verträge niemals könnten.

Aber lesen Sie selbst die folgenden Seiten.

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Martin Macke Philipp Wagner

Anfang

Freunde hielten uns für verrückt, Bekannte glaubten nicht an unsere Rückkehr, als wir auf die Idee kamen, eine Reise durch Polen und Rußland in die Mongolei zu machen. Wir aber ließen uns nicht beirren: langsam aber sicher wurde aus der Idee ein Plan und aus dem Plan schließlich Wirklichkeit.

Schon die Organisation gestaltete sich schwieriger als gedacht. Ein Ticket für die Transsibirische Eisenbahn konnten wir zum Beispiel erst in einem Reiseunternehmen in Berlin erwerben. Auch für das mongolische Visum sind eine Menge Daten anzugeben. Erst ab dem 1.5. war es für uns möglich, ohne Hotelbuchung in der Mongolei ein Visum zu erhalten, da sich dann die mongolischen Einreisebestimmungen änderten. Bis dahin hätten wir eine Hotelbuchung oder eine schriftliche Einladung eines Mongolen gebraucht. Die mongolische Botschaft war dann allerdings recht kooperativ und schickte uns das benötigte Papier innerhalb von vier Tagen zu. Anders die russische Botschaft: Erst drei Tage vor unserer Abreise trafen die Visa bei uns ein. Allerdings ging das wenigstens, trotz aller Unkenrufe, ohne bürokratische Probleme.

Die Reise beginnt

Am 1.7.1997 beginnt der aktive Teil unserer Reise. Schon in der Frühe beginnt die Linienbusreise nach Moskau. Als erste Etappe liegen ca. 2600 km bis nach Moskau vor uns. Wir sind im Bus außer einer Reisegruppe aus vier Personen, die Moskau zum Ziel haben, die einzigen Deutschen. Allerdings haben ein paar mitfahrende Russen auch genügend Deutschkenntnisse, um mit uns zu kommunizieren. Schon kurz nach Plochingen kommt die erste ungeplante Unterbrechung: Der deutschen Polizei kommt der in Rußland zugelassene Bus wohl verdächtig vor, so daß er gleich untersucht werden muß. Schnell wird auch festgestellt, daß die entsprechende Lizenz für den Zulassungsaufkleber für 100 km/h nicht vorhanden ist. Der Kleber muß weg und die Fahrt kann weitergehen. Über Augsburg, Nürnberg und Berlin geht es weiter nach Polen (Frankfurt a.d. Oder). Zwischenzeitlich läßt der Busfahrer russische Musik oder scheußlich auf russisch synchronisierte Videos ablaufen. Viel Schlaf findet niemand im Bus. Da der Bus nicht vollständig besetzt ist, kann man es sich einigermaßen bequem machen. Ab Weißrußland fährt der Bus wieder mit 110 km/h auf wenig befahrenen Straßen, bis wir ohne große Verspätung in einem Hinterhof einer Moskauer Universität etwas gerädert aber doch voll Optimismus ankommen.

Moskau

Zuerst einmal ist etwas Orientierung gefragt, da sich dieser Stadtteil nicht mehr auf unserem Stadtplan befindet. Wir haben uns aber schon im Bus informiert, wie wir mit dem Bus zu der nächsten Metrostation zu fahren haben. Hier bemerken wir auch erstmals das große Wachmann- und Waffenpotential der Stadt. Vor der ersten Wechselstube, an der wir Geld wechseln, steht gleich ein mit Handy und Revolver bewaffneter Wachmann. Nach einiger Zeit merken wir aber, daß in Moskau überall, vor jedem Laden Uniformierte und Bewaffnete stehen, um die Ordnung aufrechtzuerhalten. So begeben wir uns zur Metro. Mit einer einfachen Übersetzungstabelle für kyrillische in lateinische Buchstaben versuchen wir, die richtigen Straßen zu finden – und nach einer kurzen Orientierungslosigkeit finden wir uns gut zurecht. Also auf in die Innenstadt, wo wir unsere Eisenbahn-Tickets im Transsputnik-Büro abzuholen haben. Die Mitarbeiter des Büros sprechen gut Englisch, was in Rußland nicht unbedingt selbstverständlich ist. Jetzt begeben wir uns zum Jaroslawl-Bahnhof, wieder via Metro.

Die Bahnfahrt

Jetzt liegt die größte Etappe der Reise vor uns. Waren es noch ca. 2600 km bis nach Moskau kommen jetzt 6306 km in der Bahn auf uns zu. Was das bedeutet, kann sich nur vorstellen, wer eine solche Reise schon einmal gemacht hat. fünf Tage lang wird es durch Birkenwälder, kleine Dörfer und manchmal auch riesiger Städte gehen, bis wir in Ulaanbaatar ankommen werden.

Die auch in deutscher Sprache gehaltenen Zugtickets werden beim Betreten des Zuges bei der Prowodnik abgegeben. Am Anfang der Fahrt haben wir das Abteil noch für uns alleine, was sich aber schnell ändern soll.

Markt.gif (40732 Byte) Denn schon einige Kilometer hinter Moskau betritt eine sechsköpfige Familie unser Abteil, erklärt uns, daß ihr Abteil doppelgebucht war und das ihr jetzt diese beiden Betten hier als Ersatz zugewiesen wurden; wir waren also acht Personen in nur vier Betten, die gerade mal 60cm breit waren. Wir freunden uns schnell mit der Familie an, die aus der Mutter, drei Töchtern und zwei Freunden besteht. Die beiden Töchter mit ihren Freunden teilen sich jeweils ein Bett, die dritte Tochter und die Mutter verteilen sich irgendwo im Zug. Zwei der Mädchen und einer der Freunde können gut Englisch, so daß es keine Verständigungsprobleme gibt. Wir sind erstaunt über die gute Bildung der Familie: Die jüngste Tochter (19) sagt uns auf deutsch die Verfassung der BRD auf, ein Freund möchte gerne mit uns über Sigmund Freud oder Hegel diskutieren. Der Vater fährt – so erzählen sie uns - zur gleichen Zeit mit einem in Deutschland gekauften Auto in die Mongolei.

Unter Schmugglern

Schon am Bahnhof ist uns aufgefallen, wieviel Gepäck die Mongolen dabei haben. Schaut man in manche Abteile, so haben die Passagiere nicht einmal den Platz um sich hinzulegen oder bequem hinzusetzen. Auch wir sollten davon nicht verschont bleiben. Am zweiten Tag unserer Reise kommen plötzlich zwei fremde Mongolen in unser Abteil, öffnen die Installationsverkleidung an der Decke und es regnet T-Shirts. Unsere mongolischen Freunde erklären uns, daß die T-Shirts in China eingekauft wurden und ohne Begleitung versteckt bis nach Moskau fuhren. Hier stiegen dann die Mongolen ein um sie auf dem Weg in die Mongolei auf den Bahnhöfen zu verkaufen. Nur ein paar Stunden nach unserem T-Shirt-Erlebnis erscheinen in Perm II zwei Mongolen, die die beiden Betten in unserem Abteil gebucht hatten, die sich bis dato die beiden Päärchen der Familie teilten. Diese beiden handeln mit Motorradbatterien. Das Abteil füllt sich also mit diesen Batterien. Die Familie organisiert es, daß sie aber trotzdem in dem Abteil bleiben darf und die beiden Händler in ein anderes Abteil gehen. Die Waren bleiben natürlich bei uns.

Auf den Bahnhöfen wartet die Bevölkerung immer auf unseren Zug, da er wieder neue Waren mitbringt. Die mongolischen Händler machen gute Geschäfte durch das Verkaufen von westeuropäischen und chinesischen Waren, die sie dabei haben (v.a. nachgemachte Textilien mit Markennamen wie Levis, Wrangler oder adidas und elektrische Geräte). Gleichzeitig kaufen wir an den Bahnhöfen bei den Babuschkas kleine, selbstgemachte Mahlzeiten oder Frischkost wie Gurken oder Tomaten aus deren Gärten ein, von denen wir uns recht gut ernähren. Als Verpackungspapier werden irgendwelche Formulare verwendet, die es umsonst gibt. Irgendwann muß natürlich auch das Essen im Speisewagen probiert werden. Die Bedienung spricht nur russisch und so bestellen wir einfach irgendwas. Das Essen ist kalt, in der Suppe ist schlechtes Fleisch und der Spaß kostet 94000 Rubel. Nach dieser Erfahrung gehen wir nicht mehr Essen, sondern versorgen uns lieber weiterhin selbst auf den Stationen.

In der Zwischenzeit werden wir auch schonmal gebeten, ob wir nicht über die Grenze Vitamintabletten oder eine Palette Joghurts mitnehmen können. Natürlich lehnen wir ab. Die Waren werden jetzt langsam im Zug verteilt. Am Tag vor der Grenze ist ein Aufhalten auf dem Flur beinahe nicht mehr möglich, da andauernd Waren verschoben werden müssen. Hat sich nun eine Person auf Joghurts spezialisiert, werden in andere Abteile jeweils kleine Mengen von Joghurts gestellt. Das macht jeder so mit seinen Waren, so daß jeder an der Grenze viele verschiedene Waren einführt, jeweils in der Menge, die ohne Zoll eingeführt werden darf. Nach der Grenze werden die Waren dann wieder zurückverteilt. Die Familie in unserem Abteil hatte sich beispielsweise auf Joghurts und Vitaminampullen spezialisiert.

Nächtliche Störungen

Wenn der Zug in der Nacht (4 Uhr morgens) plötzlich hält und das Personal in heller Aufregung ist, kann das eigentlich nur eines bedeuten: Fahrkartenkontrolle. Dann geht der Zugführer, der den Termin der Kontrolle selbst bestimmen kann, mit den Prowodniks durch den Zug und kontrolliert, ob sich irgendwo ein blinder Passagier eingeschlichen hat. Daß der Zug wegen Fahrkartenkontrolle anhält, erfahren wir erst, nachdem er bereits 70 Minuten hielt.

An der russisch-mongolischen Grenze sieht es nicht viel besser aus. Mitten in der Nacht finden die Grenzkontrollen statt. Es müssen wieder einmal Pässe kontrolliert und Formulare ausgefüllt werden. Die mongolische Grenzbeamtin ist

In der Mongolei

Schon ab Ulan Ude verändert sich die Landschaft gravierend. Statt ständig durch Birkenwälder zu fahren, geht es jetzt durch eine karge, grasbewachsene Steppenlandschaft. Die Strecke ist jetzt auch nicht mehr elekrifiziert. An den Bahnhöfen haben wir teilweise sehr lange Aufenthalte, da jetzt auf Gegenverkehr gewartet werden muß. Es gibt auch keine Menschenaufläufe mehr an den Halten, da die Städte, an denen gehalten wird, sehr klein sind.

Gegen Nachmittag kommen wir mit fünfstündiger Verspätung in Ulaanbaatar (von den Einwohnern UB – gesprochen JuBi – genannt) an. Unser Freund Sansar erwartet uns schon gemeinsam mit seinem Freund Nedmid. Unsere Gastgeber sprechen beide englisch. Die beiden organisieren gleich ein Taxi für uns mit dem wir in die Wohnung von Sansar fahren. Zum Abendessen erhalten wir gleich eine mongolische Spezialität: Buuz (mit Fleisch gefüllte Teigtaschen).

UB - erste Eindrücke

Sansar wohnt in einer für die Stadt typischen Plattenbauwohnung in einem Hochhaus. Dadurch, daß die Bevölkerung in diesen Häusern ziemlich komprimiert wohnt wirkt alles sehr klein.

Zum Geldwechseln begibt man sich heutzutage in das ehemalige Leninmuseum. Hier sind jetzt ein Nachtclub, ein Dollar-Shop sowie eine Bank untergebracht. Außer der Eingangshalle und der Fassade erinnert nichts mehr an die alte Nutzung des Gebäudes.

Nachdem die Postbeamtin im Central Post Office begriffen hat, was wir wollen, können wir Postkarten kaufen und eine Telefonkarte erwerben, mit der wir auch ins Ausland telefonieren können. Die Postkarten sind nach ca. ein Monat in Deutschland angekommen. Einige Postkarten haben wir zwölf Tage später eingeworfen, und diese kamen seltsamerweise schon nach 1½ Wochen angekommen.

Das mongolisch-sowjetische Freundschaftsdenkmal steht heute auch noch auf einem der Berge südlich von Ulaanbaatar. Wir treffen auf dem Berg ein französisches Kamerateam, daß eine Reportage über die Mongolei und das bald stattfindende Naadam-Fest dreht.

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Es gibt allerdings auch noch traditionelle mongolische Gebäude in der Hauptstadt. Dazu gehört zweifelsohne der Winterpalast des Bogd Khan, des letzten religiösen Führers der Mongolei. Für Touristen kann der Besuch in diesem Museum recht teuer werden: Das Recht, ein Photo zu schießen kostet 3 $. Unsere Freunde zeigen uns allerdings, daß erstens das Wachpersonal nicht ständig zuschaut und zweitens gegen ein kleines Trinkgeld auch mal wegschaut. So kommen also auch wir zu unseren Photos des Palastes.

Natürlich gibt es in Ulanbaatar auch einen großen Platz, nach Süchbaatar benannt, ein Held der kommunistischen Revolution von 1921. Zu kommunistischen Zeiten war das auch der Name für den Platz – Süchbaatar wurde zum Kommunisten erklärt, er wird aber heute anders gesehen. So ist auch die Statue von ihm stehengeblieben, während die der anderen Kommunisten geschleift wurden.

Naadam

Jedes Jahr findet um die gleiche Zeit das größte Fest der Mongolen statt: Naadaam. Die Nomaden versammeln sich in der Hauptstadt des jeweiligen Aimag und kämpfen dort in den drei Nationalsportarten Bogenschießen, Reiten und Ringen. In Ulanbaatar beginnt das Fest mit einem Galakonzert für die Honoratioren des Landes. Wie die Eintrittskarten für uns besorgt wurden, können wir nicht richtig in Erfahrung bringen. Nedmid erzählt nur etwas davon, daß sein Onkel eine Freundin hat, die in dem Konzertgebäude arbeitet und bei der Kartenbeschaffung hilfreich war. Das Publikum besteht auch größtenteils aus Parlamentsmitgliedern, Veteranen des mongolisch-japanischen Krieges sowie ein paar ausländischen Gästen. Wir konnten dann auch einmal einen Blick auf den deutschen Botschafter erhaschen.

In dem Konzert treten traditionelle und moderne Künstler gleichermaßen auf. Außerdem bestreiten Tanz- und Chorgruppen der Armee einen großen Teil des Programms.

Am Tag darauf beginnt dann das eigentliche Naadaam. Zuerst die Eröffnungszeremonie im Stadion. Hier wird auf traditionelle Weise das Fest zu Ehren von Dschingis Khan eröffnet. Direkt im Anschluß daran beginnt das Ringen in diesem Stadion. Dieses zieht sich dann die gesamte Zeit des Festes durch bis am letzten Tag der Entscheidungskampf stattfindet.

Es ist relativ schwierig, mit öffentlichen Verkehrsmitteln (nur Busse) zum Stadion zu gelangen, da jeder Stadtbewohner sich zu diesem Zeitpunkt auf diesen Weg begibt. Das bedeutet, daß jeder Bus und jedes Auto stark überbelegt zum Stadion fährt. Alles in allem geht aber gerade noch alles gut und jeder kommt hin.

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Am Nachmittag des ersten Nadaam-Tages findet noch das Bogenschießen statt. Die Schützen schießen mit ihren selbstgebauten Bögen auf Ziele am Boden. Es ist auch möglich, in diesem Stadion direkt zu den Schützen zu gehen, niemand hat irgendwelche Absperrungen aufgestellt und Kinder springen zwischen den Schützen umher.

Der nächste Tag beginnt dann mit dem Pferderennen. Die Pferde müssen eine Strecke von 25km durch das Grasland bewältigen. Da es an dem Tag 35°C hatte kamen die Pferde erst ca. einer Stunde nach dem vereinbarten Termin in der Zielgeraden an. Den Kinder auf den Pferden kann auch einmal direkt auf der Zielgeraden ihr Pferd zusammenbrechen. Die meisten kommen aber unter großem Jubel gut an. Es reiten fast ausschließlich Kinder (schon ab vier Jahren), da sie die kleinen mongolischen Pferde nicht so sehr belasten. Der Sieger erhält neben dem enormen Ruhm ein Preisgeld von umgerechnet 25.000 DM.

Ringen

Der Nachmittag ist dann ganz dem Ringen geweiht. Ab dem Achtelfinale befinden wir uns im Stadion und beobachten die Zeremonie. Nach seinem Einmarsch ins Stadion umläuft jeder Ringer seinem Priester mehrere Male unter mongolischen Gesängen. Danach beginnt er den Kampf mit seinem Gegenüber. Das Ziel beim mongolischen Ringen besteht darin, seinen Gegner irgendwie zu Fall zu bringen. Es kann durchaus passieren, daß sich die beiden dann bis zu drei Stunden gegenüberstehen und erst danach eine Kampfentscheidung fällt. Es wird zwar darüber nachgedacht, eine Zeitbeschränkung einzuführen, allerdings gibt es dafür zu viele Gegenstimmen, da es traditionell immer ohne Zeitbeschränkung ablief.

Dieser gesamte Kampf wird live im Fernsehen übertragen und man sagt uns, daß der beste Ringer des Landes praktisch der zweitwichtigste Mann im Staat sei. Zwar habe er keine wirkliche politische Macht aber sein Wort zählt wohl viel.

Bogd Mountain

Nach dem Naadam Fest geht es dann zum Bogd-Berg. Dieser Berg ist dem letzten religiösen Führer der Mongolei, Bogd Khan, geweiht. Am Fuße des Berges befindet sich das Astronomische Zentrum der Mongolei, das wir besuchen. Die Wissenschaftler, die eigentlich dazu verpflichtet sind, uns etwas zu zeigen, gehen zuerst einmal nur ihrer wissenschaftlicher Arbeit nach. Diese besteht aus dem Stillen eines Kindes und dem Spielen von Karten. Nach einigen Stunden(!) bequemen sich die Wissenschaftler aber doch noch, uns die Carl Zeiss Teleskope und den Jupiter zu zeigen. Für die Mongolen sind solche Wartezeiten nichts besonderes.

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Am Tag darauf klettern wir auf den Berg. Mit uns sind zwei Pfadfinder aus Sansars Patrouille, die uns bei diesem Aufstieg begleiten. Es geht stundenlang durch unwegsame Granitfelder oder den spärlich wachsenden Wald. Vom Berg aus hat man einen sehr guten Blick auf die Stadt. Auf dem Berg sehen wir auch zum ersten Mal einen Steinhaufen mit blauen Bändern. Wenn die Mongolen einen solchen Haufen sehen gehen sie drei mal drumherum und werfen jedesmal einen Stein darauf. Manchmal auch binden sie an einen herausschauenden Stab ein blaues Band. Diese Zeremonie bringt Glück für den weiteren Weg. Vor einer langen Autofahrt wird das auch häufig gemacht. 

Der Abstieg vom Berg gestaltet sich etwas schwieriger, da wir noch das Kloster Manshiir Hiid besuchen wollen aber niemand den Weg dahin kennt. Sehr spät am Abend kommen wir völlig durchnäßt vom Dauerregen und Gewitter aber doch am Kloster an. Das Kloster besteht aus nicht viel mehr als ein paar Jurten und einigen wenigen Holzpagoden.

Mit dem Lada in die Steppe

Am nächsten Tag geht es dann in die Steppe zu den Nomaden. Da aber die Familie selber kein Auto besitzt, muß ein Lada nebst Fahrer gemietet werden. Soweit alles noch kein Problem. Aber schon wenige Kilometer nach Ulanbaatar – noch auf "geteerten" Straßen – platzen uns zwei Reifen, aber der Fahrer hatte in weiser Voraussicht entsprechend viele Ersatzreifen eingepackt. Mit der geteerten Straße am Anfang hatten wir aber noch ziemlich viel Glück. Schon nach kurzer Zeit fahren wir nur noch über Schotter- oder Sandpisten. Am Abend kommen wir bei Nomaden in der Nähe von Karakorum an und werden von diesen eingeladen. Sansars Großvater, der mit uns diese Reise unternimmt, tauscht mit dem Ältesten der Nomaden Duftfläschchen aus, eine alte, mongolische Tradition. In der Nacht auf den nächsten Tag regnet es stark, so daß die gesamten "Straßen" fast nicht mehr befahrbar sind.

Schließlich kommen wir aber doch im Kloster Erdeen Zuu in Karakorum an, wo heute wieder ein Klosterbetrieb stattfindet. Da es sehr stark regnet halten wir uns fast nur in den Gebäuden auf und fahren nach kurzer Zeit wieder ab, da wir ja am selben Tag noch zu der befreundeten Nomadenfamilie wollen. Wir kommen aber auf den völlig verschlammten Pisten nur noch sehr schwer voran. Doch unser chinesischer Fahrer manövriert seinen Lada selbst durch die schwierigsten Schlag- bzw. Schlammlöcher.

 

Nomaden

Am Abend kommen wir schließlich, nachdem überhaupt keine Straßen mehr vorhanden waren, und wir uns von Ger zu Ger durchgefragt hatten, bei der mit Sansars Großvater befreundeten Nomadenfamilie an. Die Familie besteht aus ca. 50 Personen, von denen 15 in der Stadt leben. Dazu kommen etwa 400 Schafe, 50 Kühe und Yaks sowie 40 Pferde. Die Nomaden empfangen uns sehr herzlich, geben uns sofort etwas zu Essen und Airag zu trinken. Die Menschen in der Mongolei sind überhaupt sehr gastfreundlich und neugierig uns gegenüber. Man interessiert sich sehr über uns und ist glücklich darüber, daß Menschen die weite Strecke aus Europa bis in die Mongolei auf sich nehmen.

Wir lernen zuerst einmal ein bißchen Reiten. Die Mongolen lachen über uns, da wir uns wohl etwas dumm anstellen. Außerdem sind uns die kleinen mongolischen Pferde gnadenlos zu niedrig. Für sämtliche Mongolen – z.T. auch in der Stadt – gilt es als selbstverständlich, nach dem Laufen auch das Reiten zu erlernen. Daß wir noch nie ein Pferd geritten haben ist für sie absolut unverständlich.

Murmeltierjagd

Am Nachmittag geht es dann auf die Jagd! Mit dem Auto sucht man sich einen Aussichtspunkt und schaut, wo die Murmeltiere in die Erde verschwinden und merkt sich diese Stellen. Dann pirscht man sich – mit dem Lada - so nah wie möglich an die Murmeltiere heran. Dann legt sich der Jäger mit dem Gewehr

auf den Boden und wartet bis die Tiere aus ihren Löchern hervorkommen. Es kann durchaus passieren, daß ½ Stunde vergeht, bis die Murmeltiere aus ihrem Bau hervorkommen oder daß sie überhaupt nicht kommen.

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Nach der Jagd wird das Murmeltier gleich zubereitet: Zuerst wird es ausgenommen. Dabei wird darauf geachtet, daß das Fell unzerstört erhalten bleibt. Jetzt werden die schon abgenommenen Fleischstücke wieder in den Fellbalg gegeben und dazu glühende Steine und etwas Zwiebeln eingefüllt. Der Balg wird oben mit Draht zugebunden und dann von außen mit einem Gasbrenner abgebrannt, bis das gesamte Fell verbrannt ist. Das Tier sieht jetzt aus, wie ein aufgeblasener Luftballon. Es muß nur noch geöffnet werden, die Steine werden ausgenommen und das Fleisch kann verzehrt werden. Für die Nomaden und insbesondere für uns ist das ein großes Ereignis und die gesamte Familie beobachtet das Festmahl der Jäger.

Beeren und Hammel

Eigentlich wollen wir Beeren in den Bergen pflücken. Wir reiten also auf die Berge und suchen nach den Beeren. Da es aber dieses Jahr sehr wenig geregnet hatte gibt es noch keine reifen Beeren. Wir sehen aber auf der Strecke noch den Winterpalast der Familie. In diesen Holzhäusern hat die Familie ihre Wintervorräte an Brennstoff und getrocknetem Essen gelagert.

Als wir wieder bei den Gers ankommen wird gerade ein Hammel für uns geschlachtet. Es ist eine sehr große Ehre für Gäste, wenn für sie ein Hammel am letzten Tag ihres Aufenthalts geschlachtet wird. So gibt es dann am Abend Hammelkeule zu essen. Für die Nomaden wird das teilweise eine sehr lange Nacht, da wir noch über alle möglichen Dinge berichten müssen. Besonders Sansar ist vom Dolmetschen sehr erschöpft.

Zurück nach UB

Am letzten Tag bei den Nomaden stellen sich alle nochmal zu einem großen Familienphoto auf. Die Nomaden wollen eigentlich immer photographiert werden. Danach gibt es zum Abschied noch frischgebrannten mongolischen Wodka. Danach geht es wieder mit dem Lada zurück. Doch leider läßt uns diesmal das Auto ganz im Stich. Schon wieder auf der geteerten "Straße 1. Ordnung", ca. 170 km vor Ulanbaatar tritt ein Getriebeschaden auf. Das kann auch in 3-stündiger Reparatur von unserem Fahrer nicht repariert werden. So müssen wir also abgeschleppt werden. Schnell findet sich ein Schaftransporter bereit, der uns bis UB abschleppen will. Bis UB geht auch alles - bis auf einige Risse im Seil - gut. Dann aber müssen wir kurz vor UB, da sich dort eine Polizeistation befindet, aus dem Auto aus- und in den Schaftransporter einsteigen. Es ist nämlich nicht gestattet, im abgeschleppten Auto mitzufahren; aber das interessiert nach der Polizeistation niemanden mehr. Da schon die Schafe in dem Transporter nicht genug Platz haben, und wir jetzt auch noch dazukommen, ist es sehr eng und ungemütlich. Nach der Polizeistation können wir aber wieder umsteigen, und es geht weiter bis zu Sansars Wohnung, die wir gegen 3 Uhr erreichen.

Ausruhen & Computer

Jetzt wird es langsam Zeit, unsere Bahntickets vom Reisebüro abzuholen. Das Büro befindet sich direkt in der zentralen Staatsbibliothek. Die Angestellte spricht sogar deutsch mit uns, als sie das Ticket übergibt.

Da das Geld langsam knapp wird, möchten wir noch einen Reisecheck wechseln. Die erste Bank, zu der wir gehen, nimmt allerdings keine Reisechecks an, so daß wir uns zur Bank of Mongolia begeben müssen. Diese macht zwar auch anfangs Fehler, händigt uns dann aber doch das Geld aus. Nedmid wird heute mitten auf der Straße von der Chefin eines Reiseunternehmens angesprochen. Er soll, nicht zuletzt wegen seiner japanischen Sprachkenntnisse, japanische Touristen nach Karakorum begleiten. Er willigt ein und wird uns also die nächsten Tage nicht mehr begleiten können.

Außerdem haben wir jetzt ein bißchen Zeit, uns um den Computer von Dawadash (einem Mitglied der Familie, mit der wir im Zug waren) zu kümmern. Es ist schon schwieriger, ohne Werkzeuge und fast ohne Ersatzteile einen Computer zu reparieren. Aber es geht provisorisch und der Rechner läuft wieder einigermaßen.

Sansar war zwischenzeitlich beim Friseur und fragt uns nach den Preisen eines deutschen Haarschneiders. Als er diese erfährt ist er entsetzt und teilt uns gleich die mongolischen mit: etwa DM 1,50 für einen Haarschnitt mit Waschen. Wir gehen daraufhin auch gleich zu diesem Salon (eine normale Plattenbauwohnung) und lassen uns die Haare machen.

Dinosaurier

Am Nachmittag geht es dann nach Tiilsch, einem sehr schönen Naturpark in der Mongolei. Hier stehen eine Menge Touristencamps, sowie einige Dinosaurierstatuen, da hier einige Überreste von ihnen gefunden wurden. Diesmal ist unser Fahrer, obwohl er einen Mercedes fährt, sehr schlecht. Im Gegensatz zu dem Ladafahrer hat er sein Auto nicht unter Kontrolle.

Trotzdem kommen wir bei den Verwandten von Sansar, die in Tiilsch als Nomaden wohnen, an.. Als Nomaden wohnen ist vielleicht etwas falsch, da die Familie nur 4-mal im Jahr ihren Platz wechselt. Jedenfalls gibt es hier Elektrizität und Fernsehen für die Bewohner des Gers.

Da das Auto in der Nacht beschädigt wurde, muß ein russischer Jeep zurück zur nächsten Busstation fahren, damit wir noch rechtzeitig in UB ankommen.

Letzte Tage

Wir haben Sansar zum Essen in das Dschingis Khan Hotel, das beste Hotel des Landes, eingeladen. Das Hotel befindet sich in einem sehr imposanten Neubau, der allerdings nicht so recht zu den umgebenen Plattenbauten paßt. Die Auswahl und die Bedienung würden in Deutschland dagegen nur gutbürgerlich genannt werden. Dafür sind die Preise moderat. Wir bezahlen für drei Personen mit Suppe, Vorspeise und Dessert 45 $, für Mongolen aber ein Vermögen, bedenkt man das Durchschnittsgehalt in Höhe von 60 $.

Den letzten richtigen Tag verbringen wir endlich damit Gastgeschenke und Souvenirs für die Daheimgebliebenen zu kaufen. Der State Department Store hat zwar nicht die größte Auswahl aber es gibt alles, was wir benötigen. Außerdem kaufen wir noch etwas Proviant für die Reise.

Nach dem letzten Frühstück in der Mongolei begeben wir uns zum Bahnhof. Der Eingang auf den Bahnsteig ist so durch Menschenmassen versperrt, daß man nur durch Drücken, Schieben und Stoßen überhaupt weiterkommt. Schließlich erreichen wir aber doch unser Abteil und verabschieden uns von unseren Freunden. Alte Mongolinnen spritzen noch etwas Airag auf den Waggon damit ihre Familien eine gute Fahrt haben.

Richtung Heimat

Mit uns im Abteil sitzen diesmal ein australischer Globetrotter und eine mongolische Frau, die weiter nach Deutschland will, um hier zu arbeiten. Der Wagen ist wieder vollgeladen mit Waren, die auf der Fahrt verkauft werden sollen. Diesmal sind es allerdings chinesische T-Shirts, Jeans und Leuchter. An der Grenze, die auch diesmal wieder nachts passiert wird, läuft alles wie gehabt und wir bekommen die begehrten Stempel in unseren Paß. Ab Bogotol fährt der Zug auch wieder fahrplangemäß – an der Grenze hatte er vier Stunden zu lang gebraucht.

An einer der Stationen um den Baikalsee geschieht uns diesmal ein Mißgeschick: Beim Einkaufen von Fisch und anderen Leckereien bemerken wir nicht, daß der Zug schon wieder abfährt. Nur mit Mühe und leichten Fisch- bzw. Leckereienverluste gelingt es uns, den Schaffner zu bewegen, die Tür nochmals zu öffnen und uns in den Waggon zu lassen.

Gefährliche Halte

In Jekaterinburg passiert allerdings einem anderen Europäer etwas viel schlimmeres. Er bleibt wohl in der Station und hat den Zug nicht mehr gekriegt. Sein Freund hofft, daß er den Zug zwölf Stunden später nach Moskau nehmen wird. Einem Kanadier wurde aber an der gleichen Station von einem russischen Bahnschaffner beim Einsteigen in den Zug Tränengas in die Augen gesprüht. Nur durch lautes Schreien konnte er den Schaffner doch noch dazu bewegen ihn auf den Zug zu lassen. Wir vermuten, daß dem anderen Touristen etwas ähnliches passierte.

Moskau, die Zweite

Nach fünf Tagen Fahrt fahren wir schließlich, auf die Minute genau, in Moskau ein. Nach einer kurzen Metrofahrt kommen wir schließlich in unserem Hotel an. Das Hotel ist angenehm und wir freuen uns noch zwei Tage in Moskau verbringen zu können.

Wir begeben uns also zum Roten Platz und bemerken daß man das Lenin-Mausoleum nur ohne Kamera betreten darf. Also einigen wir uns darauf, daß einer draußen bleibt und auf die Kameras aufpaßt während jeweils der andere in das Mausoleum geht. Leider schließt das Mausoleum nachdem der erste drinnen war...

Der Kreml hat leider geschlossen – wie jeden Donnerstag -, so daß wir das Nobelkaufhaus Gum besichtigen. Es ist alles sehr pompös eingerichtet und jede Firma, die Rang und Namen hat unterhält einen Laden hier.

Am Abend geht es dann das erste Mal in dem Urlaub richtig westlich Essen. Wir gehen in eine Pizzeria, deren Adresse in einer Broschüre zu finden war, die wir

bei der russischen Fast-Food-Kette im Gum bekamen. Wie überall in Moskau ist alles sehr teuer aber wir haben noch genug Rubel übrig, um uns diesen Spaß zu erlauben.

Endgültig Zurück

Ein letztes Mal mit der Metro unterwegs, durch die pompösen Stationen, geht es zum Busbahnhof. Allerdings müssen wir auch noch mit dem Bus ein kleines Stück fahren um zu unserem Busbahnhof zu gelangen. Leider klappt das nicht so wie geplant, und verfahren uns mit dem Bus. Nachdem uns allerdings von zwei freundlichen Russen geholfen wird, können wir den Bahnhof doch noch finden. Der Bus fährt einigermaßen rechtzeitig aus Moskau ab. Jetzt geht es wieder zurück über Weißrußland, Polen bis nach Deutschland. Diesmal haben wir im Bus nicht so viel Glück wie während der Hinfahrt: Es findet sich niemand außer uns, der ein bißchen deutsch spricht. Außer dem Busfahrer, der recht gut deutsch spricht. Obwohl der Bus 20 Minuten zu früh ankommt erden wir schon am Busbahnhof Stuttgart erwartet.

 

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